Köln - Im Kölner Frauen-Erotikladen "Lady's Toys" wird
am Dienstag, dem Weltfrauentag, der Sekt fließen. An dem geschichtsträchtigen
Datum können Chefin Regine Thoeren und ihr Team auf das zehnjährige
Geschäftsjubiläum anstoßen.
Nur drei Erotik-Shops haben sich bundesweit auf weibliche Kundschaft spezialisiert
- kein Wunder, dass das kleine Geschäft am Rande der Kölner Altstadt
mittlerweile Kundinnen aus nah und fern anzieht.
Dabei waren die Erfolgsaussichten des sinnenfrohen "Start Up"-Unternehmens
zunächst völlig offen. "Ich war immer ein neugieriger Mensch,
habe mich aber in den üblichen Sex-Shops als Frau nicht wohl gefühlt",
erinnert sich Thoeren. Dort mangelte es zwar nicht an erotischem Spielzeug,
an dem auch Frauen ihre Freude haben können, wohl aber an kompetenter
Beratung.
Als die angehende Unternehmerin erfuhr, dass es vielen ihrer Freundinnen genauso erging, war die Geschäftsidee geboren. Allerdings wollten sich die Banken nicht für das Projekt begeistern, deshalb lieferte zunächst der Freundeskreis das notwendige Grundkapital.
Im Gegensatz zum Besuch in einem üblichen Sex-Shop können Frauen bei "Lady's Toys" erotisches Spielzeug wie Dildos und Vibratoren auch in die Hand nehmen. Auch legt das Verkäuferinnen-Team Wert auf kompetente Beratung: "Wir probieren unser Sortiment aus, damit wir unseren Kundinnen auch brauchbare Empfehlungen geben können. Spielzeug, das zu laut ist, sich nicht gut anfühlt oder unangenehm riecht, fliegt wieder raus." Inzwischen zählt auch erotisches Zubehör wie Gleitgel, essbare Öle oder Sado/Maso-Utensilien zum Sortiment. Auch mit dem Ambiente will man sich absetzen. Das Geschäft ist alles andere als schmuddelig, statt dessen übersichtlich und hell.
Dennoch war das erste Jahr hart. "Manchmal kamen nur fünf Frauen in der Woche", blickt Thoeren zurück. Zudem gab es manch bösen Blick aus der Nachbarschaft und auch das persönliche Umfeld runzelte die Stirn: "Ich komme aus einer katholischen Familie, habe sogar einen Priester in der Verwandtschaft", sagt Thoeren. Zunächst sei auch ihre Mutter entsetzt gewesen: "Inzwischen ist sie aber stolz auf mich."
Denn dank einer regen Mundpropaganda sei "Lady's Toys" mittlerweile ein Erfolg geworden, berichtet die Inhaberin: "Die Frauen sprechen mit ihren Freundinnen über uns oder besuchen uns gleich gemeinsam." Dazu profitierte das Geschäft von Fernsehserien, deren Heldinnen auch im Schlafzimmer das Kommando übernehmen: "Es kamen Frauen, die sagten, 'ich hätte gerne den Vibrator, der gestern Abend in 'Sex and the City' zu sehen war'".
An zwei Tagen in der Woche dürfen auch Männer in Begleitung ihrer Partnerin zu "Lady's Toys": "Manche Frauen würden ohne ihren Partner das Geschäft gar nicht betreten", ist Regine Thoeren überzeugt. Zunächst sei es ihr nicht ganz leicht gefallen, auch Männer zu beraten: "Mittlerweile geht das auch."
Heute
ist der Kundinnenkreis weit gesteckt: "Da kommt auch schon mal die griechische
Großfamilie von der Oma bis zur Enkelin. Sie lassen sich alles erklären
und amüsieren sich prächtig." Manche Ärzte empfehlen ihren
Patientinnen mit sexuellen Problemen einen Besuch bei "Lady's Toys".
Auch moslemische Kundinnen mit Kopftuch zählen zu den Interessenten.
"Die jungen Frauen kommen vor der Hochzeitsnacht und informieren sich.
Es ist natürlich eine tolle Anerkennung für uns, dass wir dieses
Vertrauen genießen", freut sich die Unternehmerin. (ddp)




