Kölner Stadtanzeiger Mittwoch, 8.März 1995

Erotik-Freiraum nur für Frauen

Regine Thoeren setzt einen Kontrapunkt zu herkömmlichen Sex-Shops und will „die Männerdomäne zurückerobern“

Kein rotes Schummerlicht, keine Kabinen, keine langen Reihen mit Porno-Videos, keine billigen Nackt-Fotos.
„Lady´s Toys“ der erste Erotikladen in Köln nur für Frauen, setzt auf Stil. Ein Kronleuchter, pinkfarbene Wände, hell und übersichtlich, fast wie eine Galerie wirkt der Raum.
Männern ist der Zutritt zum Laden in der Geierstraße, Nähe Heumarkt, verboten. Nur an zwei Nachmittagen dürfen sie in Begleitung ihrer Partnerin auch mal schauen. Die Begründung: „ Frauen sollen hier einen Freiraum haben, indem sie sich ungestört informieren können, ohne dass ihnen Männer dabei über die Schulter gucken, sagt Regine Thoeren. Designerin und Schauspielerin, die sich mit der Gründung von „Lady´s Toys“ einen lange gehegten Wunsch erfüllt hat. „In herkömmliche Sexshops trauen sich Frauen nicht hinein.“ Außerdem würden dort auch vorwiegend die Phantasien der Männer bedient. „Meistens sind die Frauen in sehr erniedrigenden Rollen dargestellt.“ Vorbilder für ihren Frauenerotikladen fand sie in New York, London und Amsterdam. Um sich über das Angebot in Deutschland zu informieren, musste Regine Thoeren zwangsläufig die von Männern dominierten Sexshops aufsuchen. „Ein ganz blödes Gefühl.“ Sie sei da mit Einkaufstaschen rein, habe sich stur umgeschaut und die Blicke der Männer ignoriert, erzählt sie lachend.
Zu ihren Angeboten gehören Wäsche- und Lederartikel, erotische Düfte, Bücher, Vibratoren („leider sind lilafarbene noch nicht geliefert wurden“). „Zurzeit bin ich noch auf der Suche nach Videos, die auch Frauen gefallen. Die sind nur schwer zu finden.“
Etwas versteckt hinter einem Regal ist die Abteilung für Fetische und „erotische Möbel“ wie Liegen und Käfige. Laut Prospekt ist, „unauffällige Integration in den Wohnbereich möglich“. „Das ist natürlich Geschmackssache.“ Sie respektiere Vorlieben, solange sie nicht in Gewalt ausarten. „Sex hat viel mit Respekt zu tun – Zwang hat da nichts zu suchen.“ Regine Thoeren hofft, dass sie von ihren Kundinnen noch mehr über Wünsche und Bedürfnisse erfährt. „Wir müssen die Männerdomäne zurückerobern.“